„Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“ …

… würde ich meine Eltern gerne fragen. So ungefähr weiß ich es. Irgendeine Tanzveranstaltung. Oder so.

Ich kann sie nicht fragen. Es ist irrelevant. Weil sie schon so lange getrennt sind.

Es tut nach wie vor weh. Jedes Kind wünscht sich eine heile Familie. Auch als erwachsenes Kind wünsche ich mir nichts mehr.
Warum musste das passieren? Warum hat meine Mutter jetzt diesen widerwärtigen Kerl? Warum musste die Trennung so ablaufen?

Ich kann mich nicht daran erinnern, wie das Leben mit Mutter war. Ich weiß nur, wie es ohne sie ist.
Vor meinem inneren Auge sehe ich noch immer, wie mein Vater seinen Kopf gegen die Wand donnert. Um sie herauszuhämmern.
Ich sehe ihn vor dem Teller mit Gulasch sitzend. Gelähmt, appetitlos. Seine verquollenen roten Augen.
Ich war elf. Oder zwölf.
Mein Vater war so lange eine Wochenend- und Urlaubserscheinung. Wenn ich in die Schule musste, hat er meist noch geschlafen, kam er von der Arbeit heim, lag ich schon im Bett.
Er hat meine Schwester und mich mit „Technikkram“ versorgt, hat uns Gameboys und Discmans gekauft. Uns liebevoll Hörbücher ausgesucht. Zum Einschlafen lief Puh der Bär. Nicht die komische Disneyversion.

Und dann war meine Mutter weg. Papa war da.
Konnte uns ja nicht auch noch verlassen.
Er, der nie im Haushalt groß rumgewerkt hatte, musste uns plötzlich bekochen, unsere Kleidung waschen und bügeln, darauf achten, dass wir rechtzeitig in der Schule landeten. Er hat uns hingefahren, jeden Tag.

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