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(Ich nutze meinen verwaisten Blog mal als Gedankensortierhilfe…)

Ich will das so nicht.

Das – das ist unsere Lebenssituation.

Ich wohne noch immer bei meinen Eltern, der Freund bei seinen. Der Mini hat kein eigenes Zimmer, in meinem Zimmer steht zumindest ein eigenes Bett (auch wenn er es eher selten benutzt und meist zu mir kriecht *hüstel*), im Freundzimmer ist kein Platz dafür, dort schlafen wir also sowieso zu dritt auf 140cm Bettbreite. Besonders unangenehm: Das Freundzimmer ist ein Durchgangszimmer, seine Schwester muss dauernd vorbei, um in ihr Zimmer zu kommen.

Bisher waren wir unter der Woche meist bei mir, am Wochenende beim Freund.

Von mir daheim braucht man etwa eine Stunde (oder länger) zur Uni. Von ihm aus – wenn es schlecht läuft – 35 Minuten.

Meine und des Minis Sachen sind auf beide Haushalte verteilt. Oh, und zwischen den beiden Wohnorten liegt auch etwas mehr als eine Stunde Fahrzeit (wenn man Glück hat und nicht wieder irgendein öffentliches Verkehrsmittel streikt)…

Es ist zermürbend. Es zermürbt mich, dass mein Zeug nie dort ist, wo es sein sollte. Dass mein Zimmer im Chaos versinkt und ich es einfach nicht mehr „hinbekomme“, weil ich recht wenig Freizeit daheim verbringe. Dass der Haushalt zu kurz kommt und ich deswegen ständig mit meinem Vater und meiner Schwester Stress habe.

Ich bekomme kein Stipendium, weil mein Vater zu gut verdient. Bei einem Auszug hätte ich 500, vielleicht 600€ monatlich zur Verfügung. (Gut, ein Stipendium bewegt sich auch in dieser Gegend.)

Der Freund hat derzeit gar kein Geld zur Verfügung. Noch hat er nicht einmal die Matura. Nach dem „Ursprungsplan“ 2009, als wir von der Schwangerschaft erfahren haben, hätte er im Mai 2010 maturiert. Aber das hat so nicht funktioniert, im Mai 2012 habe ich Matura gemacht. Sein aktueller Maturatermin liegt im Frühjahr 2013…
Im Jänner fängt er – Inschallah – mit dem Zivildienst an. Neun verlorene Monate. Neun Monate Zwangsarbeit (hmm, über meine Meinung zu Zivildienst und Heer könnte ich auch irgendwann bloggen).

Und danach?
Er weiß es nicht. Mal will er auch studieren, mal überlegt er arbeiten zu gehen, um uns eine Wohnung finanzieren zu können.
Mein egoistisches Ich schreit, ja, tu das, geh arbeiten, in sechs Jahren finanziere ich dir das Studium. Und mein realistisches Ich flüstert: Er wird da todunglücklich. Er wird sich dir unterlegen fühlen. Und – du kannst nicht damit leben, deinen Partner in diese Lage gebracht zu haben.

Soll ich das Studium abbrechen, um arbeiten zu gehen? Oder zumindest eine Ausbildung zu machen, zum Beispiel zur Kindergärtnerin?
Ich würde miserabel bezahlt werden.
Ich liebe das Studium, obwohl ich erst vor zwei Wochen damit begonnen habe. Das ist das, was ich immer schon wollte, worauf ich mich schon als kleines Kind gefreut habe. Aber in meinen Träumen hatte ich kein Kind.

Man sagt mir, ich solle doch neben dem Studium arbeiten.
Ich schaffe das nicht. Körperlich, psychisch, zeitlich.
Es ist jetzt schon anstrengend genug, zwei Fächer zu studieren. Ich besuche zehn verschiedene Vorlesungen, drei davon finden zwei Mal wöchentlich statt. Dazwischen habe ich viel tote Zeit, Freistunden, in denen sich das Heimfahren aber meist nicht auszahlt. Am Freitag war ich komplett geplättet von der Uniwoche.
Wann sollte ich arbeiten gehen? Dienstag habe ich um 20:00 Unischluss, Mittwoch um 19:00. Mittwochs ist meine erste Vorlesung um neun. Am Ende des Tages bin ich nur kaputt.
Samstags arbeiten könnte ich, ja, aber wann sehe ich meinen Sohn dann noch? Und wann soll ich lernen? …

Dieser Wunsch nach einer eigenen Wohnung, einem eigenen Leben entsteht eigentlich aus einem anderen Wunsch heraus – ich wünsche mir ein zweites Kind. Sehr.
„Du bist so jung, du kannst in fünfzehn Jahren nochmal Kinder bekommen!“, sagt man mir. „Zwei Kinder sind irrsinnig anstrengend, sei froh, dass du nur eines hast!“, sagt man mir.
Ich weine nachts in meinen Kopfpolster. Habe Liebe für einen Menschen in meinem Herzen, den es gar nicht gibt. Das Umfeld will mir meine Situation schön reden, aber ich bin sehr, sehr unglücklich damit.
Nein, ich möchte nicht mit dreißig „von vorn anfangen“. Ich will dann kein Kind. Ich war Kind und dann war ich Mutter. Mir fehlt die Zeit der Selbständigkeit und des Egoismus dazwischen. Ich will in zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren egoistisch sein, mir die Welt anschauen, abends mal nicht nach Hause kommen. Frei sein von Verpflichtungen. Oder zumindest frei von der Verpflichtung einem kleinen Menschen gegenüber.
Ich möchte dann nachts durchschlafen, im Bett frühstücken und ein ganzes Wochenende nur fernsehen.
Jetzt verzichte ich freiwillig, bewusst und gern auf diesen Luxus, den Gleichaltrige haben. Aber ich lasse ihn mir nicht wieder wegnehmen, wenn ich ihn gewonnen habe.

Drei Jahre habe ich mir für Kind Nummer zwei noch gegeben. Wenn der Mini in die Schule geht, dann ist es für mich aus. Dann will ich das einfach nicht mehr. Zwei Einzelkinder sind für mich keine Option.

Ach…

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3 Gedanken zu “.

  1. Es gibt eine Lösung, wenn ihr das so sehr wollt, könnt ihr das schaffen. Bestimmt!

    500 oder 600€ sind nicht viel, aber wenn dein Freund auch so viel zur Verfügung hat, geht sich das aus! (Auch wenn ich zugegeben keine Ahnung von Betreuungskosten für den Mini habe).
    Als ich angefangen habe zu studieren hatte ich 350€ im Monat und davon Miete, Strom, Essen, Bücher, … finanziert. Was ich in den Ferien verdient habe ging für „Luxus“ wie neue Kleidung, Schuhe und so drauf 😉

    Oft reicht es auch 1-2 Abende in der Woche zu arbeiten, um das kleine bisschen Extrageld dazuzuverdienen, damit man über die Runden kommt.

    Natürlich ist es nicht leicht und von außen betrachtet sagt sich das für mich so einfach, aber es ist möglich. Ihr schafft das!

  2. Ich hoffe, dass ihr eine gute Lösung findet mit der ihr glücklich werden könnt.
    Obwohl ich ja überhaupt nicht finde, dass man 2 Einzelkinder hat, wenn sie 6-7 Jahre Altersunterschied haben 😉 im Gegenteil, finde das sooo schön. Und kann gar nicht verstehen, warum viele das nicht wollen.

  3. ich weiss ja nicht, wo du wohnst, aber es findet sich bestimmt ein weg. die situation momentan klingt sehr anstrengend und zermürbend. schau dich mal nach bafög, sozialhilfe, wohngeld etc um, kindergeld, unterhalt? da findet sich bestimmt ein weg.
    Ich kann dich verstehen mit dem sehnsuchtswunsch und der vernunft. 6 jahre altersunterschied sind auch gut. setzt dich selbst nicht unter druck.

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